Ein Projekt von IN VIA.
Hier geht es zur Website des Projekts mit allen Informationen.
Ausgangslage
Geschlechtsspezifische Gewalt erfährt durch das Internet eine neue Dimension. Die Gewalt, die Mädchen, Frauen und andere vulnerable Gruppen in der realen Welt erfahren, setzt sich digital mit neuer Qualität fort.
Laut dem Bundeskriminalamt wurden im Jahr 2024 18.224 Mädchen und Frauen Opfer digitaler Gewalt- im Laufe der letzten fünf Jahre hat sich diese Zahl mehr als verdoppelt. Auch Beratungsstellen beobachten einen Anstieg der Gewalt im digitalen Raum, oft im Kontext von häuslicher und sexualisierter Gewalt. Zugleich bildet die Kriminalstatistik nur das sogenannte Hellfeld ab: Viele Betroffene erstatten keine Anzeige, und nicht alle Formen digitaler Gewalt werden bislang vollständig statistisch erfasst.
Digitale Gewalt umfasst Formen der Herabsetzung, Diskriminierung und Belästigung, des Ausspionierens bzw. der Überwachung sowie der Bedrohung und Erpressung mit digitalen Hilfsmitteln. Besonders bedrohlich ist sie, weil sie nicht an einen bestimmten Ort gebunden ist und rund um die Uhr stattfindet – Betroffene können sich ihr kaum entziehen.
Bei Betroffenen löst digitale Gewalt oft Gefühle von Scham, Hilflosigkeit und Angst aus. Viele ziehen sich daraufhin sowohl aus der digitalen als auch aus der realen Welt zurück. Gleichzeitig stehen Fachkräfte vor der Herausforderung, diese komplexen Gewaltformen zu erkennen, angemessen zu thematisieren und Betroffene zielgerichtet zu unterstützen.
Projektziele
- Fachkräfte von IN VIA können digitale geschlechtsspezifische Gewalt in ihrer Arbeit erkennen und ansprechen. Sie verfügen über vertieftes theoretisches und praktisches Wissen sowie über Handlungskompetenzen – sowohl in der Prävention als auch im Umgang mit digitaler Gewalt.
- Durch gezielte Wissensvermittlung und Fortbildungen sind Fachkräfte für die verschiedenen Formen geschlechtsspezifischer Gewalt im Netz sensibilisiert.
- Für die Arbeit mit potenziell Betroffenen verfügen Fachkräfte über Bausteine und pädagogische Konzepte, mit denen sie das Thema zielgruppengerecht und bearbeiten können.
- Ein digitaler Werkzeugkoffer bündelt Materialien und Methoden, die Fachkräfte direkt in ihrer Arbeitspraxis nutzen können.
Zielgruppen des Projekts
Angesprochen werden vor allem pädagogische Fachkräfte in den Handlungsfeldern des Verbandes. Über sie werden Mädchen und junge Frauen in den Angeboten von IN VIA vor Ort erreicht. Durch die Veröffentlichung der im Projekt gewonnenen Ergebnisse und Erkenntnisse profitieren zudem die Fachwelt und die Politik.
Projektbausteine
- Ermittlung der Bedarfe der Fachkräfte im Umgang mit digitaler geschlechtsspezifischer Gewalt
- Konzeption und Durchführung von Fortbildungen zu digitaler geschlechtsspezifischer Gewalt, rechtlichen Grundlagen, Unterstützung von Betroffenen und Handlungsmöglichkeiten für die Prävention
- Erstellung eines digitalen Werkzeugkoffers mit Methoden und Materialien für die Gestaltung von präventiven Angeboten
Vernetzung
Das Projekt „Sicher im Netz – gegen geschlechtsspezifische Gewalt“ ist thematisch vernetzt mit dem Projekt #StoppDigitaleGewalt (Projektleitung: Katharina Pretscher).
Im Rahmen des Projekts #StoppDigitaleGewalt wurde eine Informations-Webseite entwickelt, die zentrale Informationen zu digitaler Gewalt sowie zu Ansätzen der Prävention und Intervention bündelt. Das Angebot richtet sich an pädagogische Fachkräfte und stellt eine kompakte, praxisorientierte Sammlung relevanter Inhalte bereit – von aktuellen Zahlen und Fakten bis hin zu technischen Möglichkeiten der digitalen Selbstabsicherung. Ein zentrales Element bildet ein modulares Workshop-Konzept, das Fachkräfte bei der Planung und Durchführung von Bildungs- und Sensibilisierungsangeboten für Kinder und Jugendliche unterstützt.